The Big U

Stephenson veröffentlichte 1984 seinen ersten Roman The Big U, die Originalausgaben sind heute teure Sammlerstücke, weil die meisten Exemplare, die damals nicht verkäuflich waren, vernichtet wurden. Inzwischen ist das Buch allerdings neu verlegt und wieder im Buchhandel erhältlich. Die Handlung ist an einer amerikanischen Universität angesiedelt, die auf den passenden Namen American Megaversity hört. Es handelt sich um eine Campusuniversität, die sich durch ihre Größe und die Tatsache, dass alle Einrichtungen im selben Gebäudekomplex untergebracht sind, auszeichnet.

Stephenson parodiert den universitären und studentischen Alltag in Amerika. Die Beschreibungen der verschiedenen studentischen Subkulturen und Splittergruppen (Stalinist Underground Battalion (SUB), Temple of Unlimited Godhead (TUG)) erinnern an die amerikanische Comicliteratur, deren Autoren Stephensons Vorliebe für plakative und gleichzeitig treffende Namen teilen. Die Art der Charakterisierung der Figuren ist auch eher mit Comics zu vergleichen, als etwa mit den verloren wirkenden und moralisch indifferenten Collegestudenten in Bret Easton Ellis’ etwa zeitgleich erschienenen Erstlingswerk Less than Zero.

Comichaft ist auch das Ende des Romans, wo radioaktiv verseuchte und mutierte Ratten und spektakulär einstürzende Gebäude, ganz dem Endzeitrepertoire der amerikanischen Popkultur entsprechen. Im Gegensatz dazu ist die Auflösung zivilisierter Verhaltensweisen und Außerkraftsetzung sozialer Normen bei Ellis stets subjektiv und Sache des Individuums (vielleicht am besten charakterisiert durch Durkheim und dessen Begriff der Anomie).

Stephenson dagegen modelliert den sozialen Zusammenbruch explizit (s. Stephenson, Neal. The Big U. New York: Perennial/Harper Collins, 2001. S. 277.) mit Bezug auf Julian Jaynes’ Werk über die Entstehung des Bewußtseins durch die Auflösung der Barriere der Hemisphären des Gehirns (engl.: The Origin of Conciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind). In seinem späteren Roman Snow Crash bildet Jaynes’ Theorie den Hintergrund für Einsatz von Sprache als un- bzw. vorbewußten Programmier- und Steuerungsmechanismus für menschliches Verhalten und soziale Gruppen. In The Big U dagegen ist der Dualismus von Magie/Technologie in der Subkultur der Geeks und ihre duale Identität als Rollenspieler/Hacker eine deutliche Anspielung auf Jaynes.

Insgesamt ist The Big U ein kurzweiliges — und gemessen an der Länge seiner anderen Romane kurzes — Buch. Thematisch und inhaltlich (Umweltverschmutzung, Computer, clevere wissenschafltiche und detektivische analytische Methoden) steht der Roman in einer Reihe mit späteren Werken.